Werder Bremen – VfB Stuttgart (Loch im Tornetz, Platzbau)
Diesmal gehen wir für den Pfiff der Woche nach Bremen zum Bundesligaspiel gegen den VfB Stuttgart (2:0). Und eigentlich ist es gar kein Pfiff des souverän amtierenden FIFA-Schiedsrichters Thorsten Kinhöfer (Herne), über den die Fußball-Szene diskutiert.
Es ist vielmehr die Szene kurz vor Anpfiff der zweiten Halbzeit. Denn auf einmal geht das Spiel gar nicht los. Vielmehr richten sich alle Blicke auf das Tor von Stuttgarts Keeper Sven Ulreich, genauer: auf das Tornetz. Nicht nur Torwart Ulreich steht da und schaut aufs Netz. Thorsten Kinhöfer, der seit neun Jahren in der Bundesliga pfeift, steht da. Sein Assistent Detlef Scheppe aus dem westfälischen Wenden steht dabei. Und die Verantwortlichen von Werder Bremen stehen da und begutachten die Maschen. Was genau ist geschehen?
FIFA-Assistent Detlef Scheppe schaute nämlich – zum Glück – kurz vor Beginn der zweiten Halbzeit noch mal genauer hin – und entdeckte bei der erneuten Kontrolle des Tornetzes, dass die Knoten an einer Stelle ziemlich locker waren. Ein Griff reichte, und das Loch war da. Woher wir das hier in der AZ-Kolumne „Pfiff der Woche“ so genau wissen? Ganz einfach – es gibt den exklusiven Draht: Wolfgang Mierswa, ehemaliger Bundesliga-Unparteiischer und niedersächsischer Verbands-Schiedsrichter-Obmann, war als offizieller Schiedsrichterbeobachter in Bremen im Einsatz und berichtete mir am Sonntagabend nach seiner Rückkehr aus dem Weserstadion von dieser Situation. Und schon ist die Idee geboren für die neue aktuelle Kolumne. Mierswa ist im Kreis Uelzen ein alter Bekannter – pfiff er doch zu seiner aktiven Zeit etliche Spiele in Stadt und Kreis.
Die Fragen stellen sich nun: War da alles korrekt? Hätte das Spiel auch mit Loch losgehen dürfen? Wäre es auch möglich, ein Fußballspiel ohne Tornetze auszutragen? Haben sich Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer und seine Assistenten Detlef Scheppe und Christian Fischer richtig verhalten?
Der Reihe nach: Zunächst einmal Kompliment für Assistent Detlef Scheppe – gut, dass er nach der zweiten Halbzeit noch mal genau hingeschaut und -gegriffen hat. Es ist eben so, dass Tornetze manchmal nachgeben. Und Netze mit zu großen Löchern, bei denen die Gefahr besteht, dass der Ball durchgeht, sind nicht gestattet.
Der Grund ist klar: Ein scharfer Schuss ins Tor, hart an Pfosten oder Latte vorbei, der Ball schießt durchs Netz – unbemerkt von Spielern, Zuschauern und, vor allem, vom Schiedsrichter-Team – und der Referee entscheidet dann aus seiner Perspektive auf Abstoß. Er hat es ja nicht besser sehen können. Alles schon passiert.
Zum Beispiel mir selber vor mehr als 20 Jahren bei einem Kreisklassen-Spiel in Barum. Damals begann ich als junger Schiedsrichter in der 1. Kreisklasse zu pfeifen – und genau die eben geschilderte Situation passierte: Strammer Schuss, der knallhart neben dem Pfosten einschlug – aber eben ins Tor, nicht daneben, wie ich damals meinte. Ich habe mich nur gewundert, warum die gegnerischen Spieler jubelten. Denn ich war mir aus meiner Perspektive sicher: Der Ball ging knapp am Pfosten vorbei, und jetzt gibt’s Abstoß.
Schön, dass sich die Szene damals schnell und sehr fair löste: Als ich den Jubel der anderen Spieler sah, ahnte ich, dass ich mit einer möglichen Abstoß-Entscheidung vielleicht ziemlich allein sein könnte und fragte einen Barumer Verteidiger, ob er alles genau gesehen hat. Und er sagte mir sofort, dass der Ball im Tor war. Eine tolle faire Geste von Barum, die ich bis heute nicht vergessen habe.
Zurück nach Bremen: Dort war es sehr angebracht, das Tornetz zu flicken. Denn Naldos Hammer-Freistoß zum 2:0 für Werder in der 67. Minute wäre mit Sicherheit durch jedes Loch gerauscht. Und es wäre doch schade gewesen, wenn es nach diesem tollen Tor nur Abstoß gegeben hätte.
Die Frage ist nun, ob ein Fußballspiel auch ohne Tornetze ausgerichtet werden könnte. Nur Pfosten und Latte sind da – der Rest, sagen wir mal, kurzfristig geklaut.
Marco Haase
http://www.az-online.de/regionalsport/landkreis-uelzen/loch-netz-werder-bremen-1510535.html