FC Bayern – Werder Bremen (rote Karte)

 

Vielleicht kein technisch hochklassiges, aber phasenweise spannendes und schwer umkämpftes Spitzenspiel sehen die Zuschauer am vergangenen Sonnabend in München zwischen dem FC Bayern und Werder Bremen. FIFA-Schiedsrichter Florian Meyer (43) aus Burgdorf, ein erfahrener Referee mit mehr als 200 Bundesligaspielen auf dem Buckel, hat mit seinen Assistenten Christoph Bornhorst (Damme) und Sönke Glindemann (Erftstadt) alle Hände voll zu tun und eine Reihe schwierigster Situationen zu beurteilen. Das gelingt im Übrigen, insgesamt gesehen, sehr gut: Florian Meyer und seine Assistenten sind durchweg akzeptiert und behalten das Spitzenspiel zu jeder Zeit im Griff, auch wenn man über die eine oder andere Entscheidung reden kann.

Der Klassiker, den die Bayern am Ende verdient, aber vielleicht um ein Tor zu hoch mit 4:1 gewinnen, hält, was er von vornherein versprach: Viele wunderbare Szenen, über die man an den Fußball-Stammtischen stundenlang diskutieren könnte: zwei völlig korrekte Strafstoß-Pfiffe, eine rote Karte, gelbe Karten, knappe Abseitsentscheidungen – viel zu viele für einen einzigen „Pfiff der Woche“. An dieser Stelle soll der Blick auf zwei Situationen fallen, die mit dem Thema „Rote Karte“ zu tun haben.

In der 81. Minute zieht Florian Meyer, der seit 1999 in der ersten Liga pfeift und seit 2002 auch internationale Spiele leitet, gegen den Bremer Aaron Hunt glatt rot. Was ist geschehen?

Hunt, wohl frustriert wegen der drohenden Niederlage gegen den alten Rivalen, springt im Mittelfeld mit beiden Beinen voraus in die Füße seines Gegenspielers Toni Kroos. Die rote Karte für dieses brutale Einsteigen ist absolut gerechtfertigt. Dabei spielt es auch überhaupt keine Rolle, wann solch ein Foul im Spiel passiert – ob in der 1. oder 90. Minute. Und es ist auch egal, ob der „Sünder“ vorher schon mal gefoult hat oder eventuell schon mit einer gelben Karte belastet ist. Wer so einsteigt, muss raus, und zwar mit dem roten Karton.

Nach solchen Vergehen ist es zudem wichtig, dass der Unparteiische den Feldverweis souverän, so schnell wie möglich und ohne Zögern ausspricht, damit erst gar keine Tumulte entstehen und die Partie nicht eskaliert. FIFA-Referee Florian Meyer, der nur zwei Tage zuvor in der Euro-League beim Spiel Stoke City und Dynamo Kiew in England im Einsatz war, macht das vorbildlich. Es gibt keine Kritik an seiner unpopulären, aber richtigen Entscheidung.

Der Weltfußballverband FIFA hat in seinen „Richtlinien für Schiedsrichter“ übrigens fast genau eine solche Szene und die notwendigen Folgen beschrieben: „Ein Spieler, der im Kampf um den Ball von vorne, von der Seite oder von hinten mit einem oder beiden Beinen in einen Gegenspieler hineinspringt und durch übertriebene Härte die Gesundheit des Gegners gefährdet, begeht ein grobes Foul“, heißt es wortwörtlich im Fußball-Regelwerk. Und nach einem groben Foul muss als so genannte „persönliche Strafe“ die rote Karte kommen – und die „Spielstrafe“ ist natürlich der direkte Freistoß für den Gegner (wenn das Ganze im Strafraum passiert, gibt’s Strafstoß).

Apropos Strafraum – zur zweiten Situation: In der 42. Minute schlägt Werder-Stürmer Claudio Pizarro gegen den hinter ihm stehenden Bayern-Verteidiger mit dem Ellenbogen aus und trifft ihn hart an der Brust – ein Vergehen, das außer dem „Täter“ Pizarro und dem „Opfer“ Badstuber niemand auf dem Platz oder im Stadion wahrgenommen hat, wie deutlich wird, wenn man sich die Fernsehbilder genau anschaut. Die Zeitlupe aber bringt es ans Tageslicht: Pizarros Ellbogen-Check gegen Badstuber ist eine so genannte „Tätlichkeit“: „Eine Tätlichkeit liegt vor, wenn ein Spieler einen Gegner abseits des Balls übermäßig hart oder brutal attackiert“, heißt es in den Fußballregeln.

Die Folge ist klar: Pizarro hätte für seinen Schlag auf jeden Fall die rote Karte sehen müssen – wenn Florian Meyer die Fernsehaufnahmen analysiert (die er auf dem Platz natürlich nicht hat), wird er das im Nachhinein sicherlich genauso sehen. Aus seiner Perspektive gab es lediglich ein Stürmerfoul und den fälligen direkten Freistoß für Bayern. Damit ist die Szene auch für die Sportgerichtsbarkeit erledigt. Sehr fair kommentieren das an diesem Fußball-Wochenende auch durchweg alle Fernsehkommentatoren, Spieler und Trainer auf den verschiedenen Sendern: Zeitlupen hätten die Unparteiischen eben nicht. Deutlich wird eines: Die Mannschaften wollen Persönlichkeiten als Schiedsrichter auf dem Platz, welche die Spiele sicher und ohne Tumulte über die Bühne bringen, die Teams wollen keine Regel-Roboter – und dabei werden auch Fehler akzeptiert. So wie am Sonnabend in München. Diskutieren Sie mit!

Marco Haase

http://www.az-online.de/regionalsport/landkreis-uelzen/hunt-laesst-frust-kroos-1519160.html

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