17. Spieltag: Bayern – Köln und die „Blase von München“

Uelzen/München. Eine wunderbare Szene, die man während der Ausbildung zum Fußball-Schiedsrichter von Anfang an lernt, obwohl sie heutzutage in einem Schiedsrichter-Leben kaum bis gar nicht vorkommt, passiert beim 3:0-Heimsieg des FC Bayern gegen den 1. FC Köln in der 29.Minute: Freistoß für die Bayern, Van Buyten zimmert den Ball aus 26 Metern gen Kölner Kasten. Kölns Riether wirft sich und seine Füße in den Schuss; dabei wird die Kugel von Riethers Stollen aufgeschlitzt und derart beschädigt, dass die Blase austritt.
Da es im Fußball-Regelwerk kaum etwas gibt, das nicht geregelt ist, gibt’s natürlich auch für diesen seltenen Fall des kaputten Leders genaueste Anweisungen, wie der Schiedsrichter zu entscheiden hat. Und Referee Guido Winkmann aus Kerken vom Niederrhein, seit 2008 in der Bundesliga im Einsatz, macht alles richtig: Der Ball war nach dem Freistoß-Pfiff und bevor er kaputt ging eindeutig im Spiel und flog einige Meter, van Buyten hatte ja geschossen – also muss der Unparteiische unterbrechen. Da kein Foul passiert ist und man Kölns Sascha Riether sicherlich keine Unsportlichkeit unterstellen kann, gibt’s als Spielfortsetzung den Schiedsrichter-Ball, und zwar genau an der Stelle, an welcher der Ball beschädigt wurde, also kurz vor dem Kölner Strafraum.
Exakt festgelegt ist dies in der Fußball-Regel Nummer 2 „Der Ball“. Dort heißt es: „Wenn der Ball im Verlauf des Spiels platzt oder beschädigt wird, wird die Partie unterbrochen.“ Das hat Guido Winkmann, der 38-jährige Polizeibeamte vom SV Nütterden, sofort getan. Und wie geht’s weiter? „Die Partie wird mit einem Ersatzball mit einem Schiedsrichter-Ball an der Stelle fortgesetzt, an der der ursprüngliche Ball beschädigt wurde.“ Also alles richtig gelaufen.
Früher, als die Bälle noch richtige Bälle aus Leder und keine flatternden High-Tech-Kugeln waren, ist es öfter vorgekommen, dass sie kaputt gingen. Jeder erfahrenere Fußballer in Stadt und Kreis wird sich sicherlich erinnern, mit welchen Kugeln er da manchmal kicken musste, besonders bei Regen.
Übrigens ist wirklich alles rund um den Ball in Regel zwei festgelegt: „Der Ball ist regelkonform, wenn er kugelförmig ist“, steht dort. Aha. Außerdem muss er, Zitat, „einen Umfang von mindestens 68 und höchstens 70 Zentimetern“ haben. Und, kein Scherz: „Der Ball ist regelkonform, wenn er zu Spielbeginn mindestens 410 und höchstens 450 Gramm wiegt und sein Druck 0,6 bis 1,1 Atmosphären beträgt, was 600 bis 1100 Gramm pro Quadratzentimeter auf Meereshöhe entspricht.“ Jetzt fragen Sie mich aber bitte nicht, liebe AZ-Sport-Leser, wie ich das früher zu meiner aktiven Zeit vor dem Anpfiff kontrolliert habe.
Von Marco Haase
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